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Unternehmensführung und -steuerung

Die Unternehmensübernahme – Vor- und Nachteile

Wer sich unternehmerisch selbstständig machen möchte, hat grundsätzlich zwei Optionen: Erstens eine Neugründung durch die Verwirklichung einer eigenen Geschäftsidee bzw. die Übernahme eines Franchise-Konzepts.

Oder zweitens die Übernahme eines bestehenden Unternehmens. Letzteres wird von vielen potenziellen Selbstständigen als die deutlich einfachere Variante betrachtet und erfreut sich einer entsprechenden Beliebtheit.

Tatsächlich bietet die Unternehmensübernahme einige Vorteile, aber auch Nachteile, Fallstricke und Besonderheiten, die du kennen solltest. Immerhin gehört die Unternehmensübernahme zu den beliebtesten Themen der Prüfungen zum/zur geprüften Handelsfachwirt/in (IHK).

Also, was ist eine Unternehmensübernahme eigentlich? Welche Vorteile hat sie? Und welche Nachteile bringt die Unternehmensübernahme mit sich? All das kläre ich in diesem Beitrag.


Was ist eine Unternehmensübernahme?

Die Unternehmensübernahme (auch: Unternehmenskauf) beschreibt einen Prozess, bei dem ein bereits bestehendes Unternehmen von einem „Gründer“ übernommen wird. Dieser führt das bestehende und am Markt etablierte Unternehmen weiter.

Grundsätzlich lässt sich hier die familieninterne Übernahme von der Übernahme durch externe Personen (externe Übernahme) unterscheiden. Kaufen Geschäftsführer oder leitende Angestellte das Unternehmen, handelt es sich um einen Management-Buy-out. Den Kauf durch Externe, z. B. Manager, bezeichnet man als Management-Buy-in. Die Übertragung des Unternehmens erfolgt dabei i. d. R. durch:

Komplette Übertragung aller Verantwortlichkeiten und Eigentumsrechte durch die einmalige Entrichtung eines Kaufpreises vom Käufer an den Verkäufer. Letzterer hat mit dem erfolgten Abschluss keine Verbindung mehr zum Unternehmen.

Bei der Unternehmensübernahme durch wiederkehrende Leistungen handelt es sich um den ratenbasierten Unternehmenskauf über mehrere Jahre. Zur Absicherung des Verkäufers wird die Forderung entsprechend im Vertrag verankert. Eine weitere Option ist die Unternehmensübertragung durch eine monatliche Rentenzahlung des Käufers über einen definierten Zeitraum.

Gerade bei Familienunternehmen, die durch einen Verwandten übernommen werden, kommt häufig eine Schenkung infrage.

Schon gewusst?

Die Anzahl der übernahmereifen Unternehmen in Deutschland ist so groß wie noch nie. Allein für den Zeitraum zwischen 2018 und 2022 schätzt das Institut für Mittelstandsforschung in Bonn (IfM) die Anzahl der Unternehmen, die vor einer Nachfolge bzw. Übernahme stehen, auf 150.000.

Damit ist die Auswahl für die an einer Übernahme interessierten Gründerinnen und Gründer in den meisten Branchen hoch. Übrigens: 18% aller Familienunternehmen werden von Mitarbeitern übernommen, 29% werden an externe Personen verkauft und gut 50% innerhalb der Familie übergeben.


Unternehmensübernahme: Vorteile und Nachteile

Die Unternehmensübernahme ist in der mittelständisch geprägten deutschen Wirtschaft essenziell. Das gilt sowohl für den Erhalt von Arbeitsplätzen als auch für die Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts Deutschland. Vor der Übernahme sollten jedoch die folgenden Vor- und Nachteile gegeneinander abgewogen werden.

Diese Vorteile bietet die Unternehmensübernahme

Im Vergleich zu einem selbst kreierten Geschäftsmodell verspricht ein erprobtes Geschäftsmodell für Existenzgründerinnen und Existenzgründer mehr Sicherheit. Zudem bieten Marktpräsenz und Markthistorie von Produkten und Dienstleistungen eine fundierte Entscheidungsgrundlage. Das erleichtert auch die Finanzierung durch Banken, da diese bewährte Geschäftsmodelle i. d. R. positiver bewerten. Häufig beteiligen sich auch ehemalige Eigentümer als Investoren.

Das Unternehmen ist bereits am Markt aktiv und verfügt sowohl über die notwendigen Strukturen als auch über einen gewissen Bekanntheitsgrad. Gleiches gilt für bereits vorhandene Erfahrungswerte.

Ein „übernahmereifes“ Unternehmen sitzt bereits auf festen Schienen. Die Unsicherheit, ob die Geschäftsidee funktioniert und sich finanziell rechnet, besteht nicht.

Da das Unternehmen bereits etabliert ist, können Existenzgründer das Unternehmen anhand bisheriger Umsätze bewerten und mit planbaren Erlösen arbeiten.

Vom ersten Tag an bestehen feste Beziehungen zu Kunden, die das Produkt oder die Dienstleistungen nachfragen. Bei einer Neugründung müsste zunächst eine ausreichende Bekanntheit erreicht bzw. ein guter Leumund aufgebaut werden. In der Regel können auch bestehende Lieferantenverträge übernommen werden, sodass keine aufwendige Suche nötig ist.

Auch um die grundsätzliche Betriebsausstattung und Einrichtung musst du dich bei einer Unternehmensübernahme nicht kümmern. Bei wirklich „übernahmereifen“ Betrieben sind zunächst nur geringe Investitionen notwendig.

Personal und Geschäftsprozesse werden als funktionierendes Gebilde übernommen. Ineffizientes Trial & Error (Versuch & Irrtum) von Neugründungen ist damit nicht nötig. Zudem ist bereits erfahrenes und qualifiziertes Personal vorhanden.

Ein bestehendes Unternehmen verfügt bereits über alle notwendigen Genehmigungen und Konzessionen, die für den Betrieb im Ist-Zustand notwendig sind. Neugründer müssen branchenabhängig langwierige Genehmigungs- und Antragsverfahren durchlaufen.

In vielen Fällen steht der ehemalige Eigentümer bzw. Unternehmer noch für eine Weile mit seinem Expertenrat zur Seite. Nichts ist im Geschäftsumfeld wertvoller als Erfahrungen.

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Nachteile der Unternehmensübernahme?

Eine Unternehmensübernahme zeichnet sich durch höhere Anfangsinvestitionen aus, da die Investitionen anders als bei einer Neugründung nicht flexibel sind („Hypothek für die Zukunft“). In vielen Fällen erweist sich der gezahlte Kaufpreis leider auch als zu hoch, da Planerträge nicht realisiert werden können.

Das gesamte Unternehmen ist im schlimmsten Fall komplett auf den alten Inhaber fokussiert. Im Rahmen der Übernahme müssen sich neue Eigentümerinnen und Eigentümer zunächst auf diese Unternehmenskultur einstellen. Änderungen sind nur schrittweise mit Fingerspitzengefühl und nicht mit der Brechstange möglich.

Bei der Übernahme eines bestehenden Unternehmens wird der Existenzgründer von 0 auf 100 in eine Führungsrolle für Mitarbeiter und Prozesse katapultiert. Es besteht keine „Schonfrist“, um in diese Rolle hineinzuwachsen. Umso wichtiger ist die Vorbereitung vor der Übernahme durch Coachings und das Kennenlernen des Unternehmens mit Hilfe des bisherigen Eigentümers.

Prinzipiell besteht immer das Risiko, dass Anlagen und Produktionsstätten ebenso wie das Warenlager und Prozesse nicht mehr dem aktuellen Stand entsprechen. Die Folge sind höhere Anfangsinvestitionen und ein größerer Arbeitsaufwand.

Ein übernommenes Unternehmen passt im Gegensatz zu einer Neugründung nahezu nie vollständig zu den Vorstellungen eines Existenzgründers. Anpassungen brauchen häufig Zeit und sind nicht unbeschränkt möglich.

Auch Verträge und finanzielle Verbindlichkeiten wie Schulden gehen bei der Unternehmensübernahme auf den Käufer über.

Zu Konflikten kommt es nicht selten, wenn der ehemalige Unternehmer beispielsweise durch eine Beteiligung noch immer im Unternehmen involviert ist. Verständlich, schließlich hat dieser sein Unternehmen häufig über mehrere Jahrzehnte nach seinem Gusto geführt und muss sich womöglich mit einer neuen Ausrichtung abfinden. Klare Kompetenzregelungen sind daher unbedingt nötig.

Vorhandenes Personal mit Fachwissen zu übernehmen ist meist ein entscheidender Vorteil. Allerdings ist der Neueigentümer bei der Betriebsübernahme nach § 613a BGB zunächst zur Übernahme der Rechte und Pflichten der bestehenden Arbeitsverhältnisse verpflichtet. Dadurch besteht zunächst eine gewisse Unsicherheit, etwa in Bezug auf die Arbeitsmotivation und Loyalität der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Übrigens…

Anders als für die Übernahme des Personals besteht für die Übernahme des Warenbestands keine gesetzliche Regelung. Die Übernahme des Warenbestands ist einzelvertraglich zu regeln.

FAZIT

Wie auch die Neugründung hat die Übernahme eines Unternehmens ihre spezifischen Vor- und Nachteile. Sie kann also keinesfalls als die „einfachere“ Variante der Existenzgründung bezeichnet werden.

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