Kooperationsformen

Unternehmensführung und -steuerung

Kooperationen und mögliche Ausprägungsformen

Der Erfolg des Menschen basiert seit der Sesshaftwerdung im Rahmen der neolithischen Revolution auf dem Prinzip von Kooperation und Arbeitsteilung. Kein Wunder, dass Kooperationen auch in der modernen Wirtschaft einer der entscheidenden Erfolgsfaktoren für Win-win-Situationen sind.

Heute sind Kooperationen zwischen Unternehmen auf unterschiedlichsten Ebenen und in verschiedensten Konstellationen möglich, die dazu dienen, Umsätze zu steigern, Marktanteile zu gewinnen und von gegenseitigem Know-how zu profitieren.

Was aber genau sind Kooperationen? Welche Kooperationsformen gibt es? Und was macht eine erfolgreiche Kooperation aus? Da Kooperationen im Rahmen der Prüfung zum Handelsfachwirt oder auch zum Wirtschaftsfachwirt der IHK ein sehr beliebtes Thema sind, schauen wir uns diesen Sachverhalt im folgenden Beitrag etwas genauer an.

Definition und Unterscheidungsmerkmale

Was sind Kooperationen?

Kooperationen laufen dir überall über den Weg und beschreiben ganz allgemein die Zusammenarbeit zwischen mindestens zwei Partnern. Durch die unterschiedlichsten Ausprägungen müssen wir uns den Begriff der Kooperation gerade in wirtschaftlicher Sicht einmal genauer ansehen.

Definition – Eine Kooperation ist eine Zusammenarbeit von mindestens zwei rechtlich und wirtschaftlich eigenständigen Unternehmen, die der Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit beider Kooperationspartner dient.

Eine Fusionen stellt demnach z.B. keine Kooperation dar, da die Partner durch den Zusammenschluss ihre rechtliche und wirtschaftliche Eigenständigkeit verlieren.

Kooperationen können auf unterschiedlichste Art und Weise gestaltet werden. Das betrifft sowohl den Zeitraum der Zusammenarbeit und die Beteiligung unterschiedlicher Abteilungen der Unternehmen als auch die Intensität der Kooperation, die von informellen Absprachen bis hin zu festen vertraglichen Regelungen reicht. Kooperationen lassen sich daher nach einigen Hauptmerkmalen unterscheiden:

Die Hauptunterscheidungsmerkmale von Kooperationen

  • Beteiligte Wirtschaftsstufen: horizontale, vertikale oder laterale Kooperation
  • Beabsichtigte Kooperationsdauer: Erfüllung von Einzelaufträgen (Auftrags-Kooperation) oder zeitbezogene Kooperation (kurz-, mittel-, langfristig-, zeitlich unbestimmt)
  • Gemeinschaftlich durchgeführte Funktionen: gesamtfunktionelle Kooperation oder Zusammenarbeit bei bestimmten betrieblichen Funktionen (z.B. Beschaffung, Produktion, Absatz, Finanzierung, Forschung etc.)
  • Marktgebiete: regionale und überregionale Inlandsmärkte oder Kooperation auf Auslandsmärkten (z.B. Import-Kooperation (Beschaffung), Export-Kooperation (Absatz))

Welche Vor- und Nachteile können Kooperationen haben?

Der Grund für die Durchführung von Kooperationen ist deren Vorteilhaftigkeit für beide Seiten. Aber welche Vorteile bzw. Zielsetzungen können Kooperationen im Detail haben? Nicht weniger wichtig ist auch das Verständnis für die Schattenseiten der Kooperation. Immerhin bringt die Aufgabe der völligen Unabhängigkeit auch einige Nachteile mit sich.

Vorteile bzw. mögliche Ziele von Kooperationen

  • Ausweitung der Zielgruppe
  • Erschließung weiterer Marktanteile
  • Bündelung von Ressourcen für größere Aufträge
  • Kostensenkung für Forschung und Entwicklung
  • Risikoverteilung auf mehrere Kooperationspartner
  • Möglichkeit, kurzfristige und langfristige Umsätze zu steigern
  • Kostensenkung durch gemeinsamen Einkauf und größere Einkaufsmengen
  • Ausgleich von Kapazitätsengpässen und bessere Auslastung der Kapazitäten beider Kooperationspartner

Nachteile von Kooperationen

  • Entscheidungen können i.d.R. nicht allein getroffen werden
  • Hohes Maß an Abstimmung und Kompromissen erforderlich
  • Verluste müssen ebenso geteilt werden wie Gewinne
  • Gerechte Aufteilung von Kooperationsaufgaben birgt Schwierigkeiten
  • Preisgabe von Know-how und internen Informationen
  • Vorhersage des Erfolgs ist nicht möglich

Kooperationsformen

Das wohl wichtigste Unterscheidungsmerkmal von Kooperationen ist deren Ausrichtung anhand der beteiligten Wirtschaftsstufen der Kooperationspartner. Grundsätzlich unterscheiden wir hier zwischen horizontaler, vertikaler und diagonaler (oder auch lateraler) Kooperation.

Horizontale Kooperationen

Bei der horizontalen Kooperation schließen sich mindestens zwei prinzipiell gleichberechtigte Partner zusammen.

Hauptmerkmal ist hier die Zusammenarbeit auf der gleichen Ebene der Wertschöpfungskette bzw. zwischen Unternehmen der gleichen Wirtschaftsstufe.

Typische Varianten der horizontalen Kooperation sind zum Beispiel die Absatzkooperation zwischen Einzelhändlern oder die Beschaffungskooperation zwischen Großhändlern. Wie die folgenden Beispiele zeigen, finden wir horizontale Kooperationen in nahezu jeder Branche wieder:

Horizontale-Kooperation-Handelsfachwirt-IHK

Beispiel aus der Automobilindustrie

Die drei deutschen Automobilkonzerne BMW, Daimler und Volkswagen etablieren eine gemeinsame Forschungs- und Innovationsabteilung für Elektroantriebe. Ziel der Kooperation auf Ebene der Forschung und Entwicklung ist die Verbesserung der Position gegenüber der Konkurrenz aus Asien und den USA, die in Sachen Elektromobilität die Nase vorne hat.

Beispiel aus der Gastronomie

Mehrere asiatische Restaurants aus der gleichen Stadt beschließen eine Beschaffungs-Kooperation. Sie bestellen ihre asiatischen Spezialitäten gemeinsam bei einem Importeur bzw. Großhändler und profitieren damit von Mengenrabatten.

Beispiel eines Industrieunternehmens

Ein großer Hersteller von Photovoltaikanlagen bietet seinen Kunden einen umfassenden Wartungs- und Notfallservice an. Da das Unternehmen in Norddeutschland sitzt und vor allem den Süden der Republik nicht mit eigenen Technikern bedienen kann, kooperiert der Hersteller mit selbstständigen lokalen Betrieben, die die Wartungs- und Notfallaufgaben übernehmen.

Beispiel aus dem Einzelhandel

Zwei Einzelhändler, die auf thematisch verwandten Geschäftsfeldern unterwegs sind, starten eine gemeinsame Marketingkampagne. Im Rahmen dieser Kampagne bieten Sie den gleichen Rabatt von 20 Prozent an und bewerben gleichzeitig den Kooperationspartner. Ziel ist die Umsatz- und Gewinnsteigerung durch das Heben von Synergiepotential.

Beispiel aus der Politik

Auch in der Politik gibt es eine Vielzahl horizontaler Kooperationen.  So ist zum Beispiel die Europäische Union eine horizontale Kooperation von 28 gleichberechtigten, rechtlich eigenständigen Kooperationspartnern. Das Gleiche gilt im Übrigen auch für die aus 16 Bundesländern bestehende Bundesrepublik Deutschland.

Vertikale Kooperationen

Die vertikale Kooperation setzt im Gegensatz zur horizontalen Kooperation auf die Zusammenarbeit auf unterschiedlichen Wirtschaftsstufen bzw. Stufen der Wertschöpfungskette.

Bei der vertikalen Kooperation handelt es sich also um die Zusammenarbeit von vor- und nachgelagerten Produktionsstufen.

Typisch ist hier zum Beispiel die Kooperation zwischen industriellen Produktionsbetrieben und dem nachgelagerten Handel als Vertriebsstufe. Auch die Kooperation zwischen einem Industriebetrieb und seinen Zulieferern ist ein klarer Fall vertikaler Kooperation. Auch hier ein paar Praxisbeispiele zum besseren Verständnis.

Vertikale-Kooperation-Handelsfachwirt-IHK

Beispiel Lebensmittel / Gastronomie

Ein großer Brauereibetrieb schließt mit einer oder mehreren Gastronomiebetrieben einen Vertrag zum Exklusivvertrieb. Bei dieser Form der vertikalen Kooperation bekommen die Gastronomiebetriebe ihr Bier zu festgeschriebenen Konditionen, sind im Gegenzug jedoch dazu verpflichtet, nur dieses Bier und nicht etwa Konkurrenzprodukte auszuschenken.

Beispiel Industrie / Dienstleistungssektor

Ein großer Maschinenbauer für Industrieanlagen möchte einen Wartungsservice anbieten, die Arbeiten aber nicht selbst ausführen. Und so arbeitet der Hersteller mit Dienstleistungsbetrieben auf der nachgelagerten Wertschöpfungsebene zusammen und kreiert so ein großes Netz an Dienstleistern. Diese sind auf die Maschinen des Herstellers spezialisiert und übernehmen die entsprechenden Wartungs- und Reparaturaufträge im gesamten Vertriebsgebiet.

Beispiel Hardware-/Softwareproduzenten

Hersteller von Tablet-Computern arbeiten eng mit Entwicklern von Software zusammen. Softwareentwickler erhalten die Möglichkeit, die Produkte 1 zu 1 an die Hardwarevoraussetzungen anzupassen und damit die maximale Leistung aus der Hardware herauszuholen. Dadurch, dass die Software auf dieser speziellen Hardware besser läuft als auf Konkurrenzprodukten, entsteht ein zusätzlicher Mehrwert, von dem beide Unternehmen profitieren.

Handelsfachwirt-Lernkarten-IHK

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Laterale Kooperationen

Bei der lateralen Kooperation findet eine gleichzeitige Bewegung auf der horizontalen und der vertikalen Ebene statt. Diese diagonale Bewegung entspricht einer Seitwärtsbewegung in eine andere Branche.

Hier arbeiten Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen auf unterschiedlichen Stufen der Wertschöpfungskette zusammen.

Diagonale-Laterale-Kooperation-HFW

Beispiel Automobilindustrie / Unterhaltungselektronik

Das autonome Fahren macht zukünftige Autos zu rollenden Entertainment-Centern. Google als führender Hersteller von mobilen Betriebssystemen arbeitet mit großen Automobilbauern wie BMW, Daimler und Lexus zusammen, um ein optimales Entertainmentkonzept für das Reisen der Zukunft zu entwickeln.

Beispiel Dienstleistungssektor / Gastronomie

Eine Vermögensberatung, die sich auf die individuelle Vermögensberatung und Vermögensverwaltung spezialisiert hat, empfängt regelmäßig Kunden und möchte diese mit exklusiven Speisen und Getränken verwöhnen. Dazu kooperiert die Vermögensberatung mit einem regionalen Catering-Unternehmen.

Beispiel Lebensmittel / Telekommunikation

Eine große Handelskette mit mehreren tausend Filialen im ganzen Land kooperiert mit einem Telekommunikationsanbieter. Im Rahmen der Kooperation bekommen Kunden die Möglichkeit, Startersets und Guthabenkarten direkt an der Supermarktkasse zu kaufen.

Spezielle Formen von Kooperationen

Joint Venture

Aus den unterschiedlichsten Formen der Kooperation sind einige Sonderformen hervorgegangen, deren Grundzüge du auch für die Prüfung zum Handelsfachwirt IHK kennen solltest. Eine solche Sonderform ist das Joint-Venture.

Dabei handelt es sich um ein Tochterunternehmen, das als Gemeinschaftsunternehmen von zwei rechtlich unabhängigen Unternehmen gegründet wird.

Auch wenn beide Unternehmen durch die Einbringung von Kapital und Know-how sowie durch die Führung kooperieren, hat das Joint Venture einen autonomen Status.

Beispiele für Joint Ventures

Joint Ventures gibt es in zahlreichen Branchen. So etwa die Kooperation der Siemens AG und Fujitsu, die sich im Rahmen eines Projekts zu „Fujitsu Siemens“ zusammengeschlossen haben, um gegen die starke Konkurrenz im Computer-Sektor zu bestehen.

Ein weiteres Beispiel ist die Kooperation der Daimler AG mit dem chinesischen Autobauer Beigi Foton Motor. Während sich Daimler davon Insiderwissen über den chinesischen Markt erhofft, setzt der chinesische Autohersteller durch die Strahlkraft von Daimler auf einen Zuwachs der internationalen Bekanntheit.

Interessengemeinschaft

Die Interessengemeinschaft bezeichnet einen Zusammenschluss von mehreren selbstständigen Unternehmungen, die ihre gemeinsamen Interessen wahren und fördern.

Häufig handelt es sich dabei um Gesellschaften bürgerlichen Rechts (GbR). Hier kann es sich beispielsweise um Produktions-, Betriebs- oder Gewinngemeinschaften handeln. Interessengemeinschaften befinden sich definitionsgemäß zwischen Konzernen und Kartellen.

Strategische Allianz

Eine weitere Spezialform der Kooperation ist die strategische Allianz.

Dabei handelt es sich um eine längerfristige, formalisierte Beziehung zwischen mindestens zwei Partnern.

Allianzen haben das Ziel, die Wettbewerbsposition der beteiligten Partner zu verbessern, indem die jeweiligen Schwächen durch die Stärken des Partners ausgeglichen werden. Auch Risiken können durch eine strategische Allianz auf mehrere Schultern verteilt werden, wodurch das Risiko beim Firmenwachstum anders als bei kompletten Übernahmen sinkt. Zudem sind Allianzen im Zweifelsfall schneller auflösbar und daher besser zu kontrollieren.

Beispiel für eine strategische Allianz

Apple und BMW haben eine strategische Partnerschaft geschlossen, um Synergieeffekte ihrer Zielgruppen zu nutzen. Immerhin haben beide Unternehmen viele Berührungspunkte und stehen für ein gehobenes Preissegment und technologische Avantgarde. Zudem munkelt man, dass hinter den Kulissen an einem iCar gearbeitet wird. Und das mit Fahrzeugtechnik von BWM und intelligenter Software aus dem Hause Apple. Dass die Elektrofahrzeuge des bayerischen Automobilherstellers das „i“ im Namen tragen, ist also auch kein wirklicher Zufall, sondern ein subtiler Imagetransfer im Rahmen der strategischen Allianz.

Genossenschaft

Auch die Genossenschaft ist eine bekannte Kooperationsform. Diese allerdings zeichnet sich durch eine offene bzw. flexible Mitgliederanzahl aus und dient der Förderung der wirtschaftlichen Belange ihrer Mitglieder durch die Gemeinschaft. Genossenschaften kommen gerade im Bereich der Landwirtschaft als Absatz- oder Produktions-Genossenschaften zur Anwendung.

Erfolgsfaktoren von Kooperationen

Um die Ziele bzw. Vorteile einer Kooperation zu realisieren, müssen einige Erfolgsfaktoren zusammenkommen, denn der Erfolg ist trotz des theoretischen Potentials nicht garantiert. Im Zentrum steht natürlich die Anforderung, dass beide Partner von der Kooperation profitieren und das entsprechende Engagement einbringen. Weitere Erfolgsfaktoren für eine gelungene Kooperation:

  • Präzise Formulierung des Kooperationsziels. Vage Vereinbarungen hingegen erhöhen die Wahrscheinlichkeit für Fehlschläge und Unzufriedenheit.
  • Erwartungen und Zielvorstellungen aller beteiligten Partner müssen im Vorfeld auf eine Linie gebracht werden.
  • Vorzeitige Festlegung von Aufgaben, Kompetenzen und Zuständigkeiten sorgen dafür, dass doppelte Arbeit und Missverständnisse vermieden werden.
  • Verteilung von Kosten und Gewinnen muss im Vorfeld festgelegt werden. Jeder Kooperationspartner muss in angemessenen Umfang beteiligt werden.
  • Alle beteiligten Mitarbeiter der Kooperationspartner müssen umfangreich über die Ziele und Mechanismen der Kooperation informiert sein. Zudem müssen Ziele und Maßnahmen akzeptiert und mitgetragen werden.

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