Unternehmensführung Lektion 1 Handelsfachwirt

Unternehmensführung und -steuerung

Chancen & Risiken unternehmerischer Selbstständigkeit! Teil 1

Im Mittelpunkt der unternehmerischen Selbstständigkeit steht der Unternehmer selbst. Er ist es, der dem Handelsunternehmen die Kontur verleiht, indem er die Geschäfte nach seiner unternehmerischen Vision führt. Damit dies gelingt, sollte sich die betreffende Person auch für den Job des Unternehmers eignen.

Nicht ohne Grund scheitern viele Unternehmen nicht am Konzept, sondern am Unternehmer. Vor der Gründung stehen also die persönliche Abwägung der Vor- und Nachteile des Unternehmertums sowie die Frage nach der persönlichen Eignung. Da diesen Themen schon öfter in den Prüfungen zum Handelsfachwirt der IHK behandelt wurden möchte ich in diesem Artikel die für euch relevanten Fragen klären.

Welches sind die

Vorteile unternehmerischer Selbstständigkeit

Unabhängigkeit

Der Unternehmer ist sein eigener Chef und keinem Vorgesetzten Rechenschaft schuldig.

Eigenverantwortung

Unternehmer entscheiden selbst über die Verwendung ihrer Ressourcen (Zeit + Geld)

Flexibilität

Der Unternehmer hat die Möglichkeit zeitlich und oft auch räumlich flexibel zu arbeiten. Dies eröffnet die Option, ein Unternehmen schrittweise neben dem Haupterwerb aufzubauen.

Selbstverwirklichung

Wer sein Hobby zum Beruf machen möchte, bekommt als selbstständiger Unternehmer die Möglichkeit dazu. Der Selbstständige folgt dabei seiner eigenen Vision und besitzt ein hohes Maß an Gestaltungsspielraum hinsichtlich der Geschäftsidee.

Dynamische Arbeitsprozesse

Der Unternehmer wird immer wieder mit neuen Aufgaben und Herausforderungen konfrontiert. Kein Arbeitstag verläuft wie der andere, sodass das Risiko für den aufkommenden Alltagstrott als Motivationskiller Nummer 1 sinkt.

Chance auf höheres Einkommen

Die Früchte der Arbeit fließen dem Unternehmer zu. Wer neue Ideen und innovative Produkte am Markt etabliert, profitiert direkt davon. Sobald das Unternehmen eine gewisse Reife erreicht hat, laufen die wichtigsten Geschäftsprozesse auch ohne den Unternehmer. Da dieser also nicht mehr 1 zu 1 Zeit gegen Geld tauscht, kann der Verdienst im Idealfall deutlich steigen.

Welches sind die

Nachteile unternehmerischer Selbstständigkeit

Hoher Zeitaufwand

Nicht selten haben es Selbstständige und Unternehmer mit 12-14 Stunden Arbeit pro Tag zu tun. Schlafmangel und Stress können sich somit stark auf das Privatleben auswirken.

Belastung durch Personalverantwortung

Unternehmer sind nicht nur für ihre eigene Existenz verantwortlich, sondern auch für die finanzielle Existenz ihrer Angestellten. Dies kann eine große seelische Belastung sein.

Nervliche Belastung

Das Nervenkostüm des Unternehmers wird vor allem durch Risiken und Unsicherheiten finanzieller, strategischer und planerischer Art belastet. Oft gilt dementsprechend sowohl der erste als auch der letzte Gedanke des Tages ausschließlich dem Unternehmen.

Marktrisiken

Der freie Markt hat auch Nachteile, denn der Unternehmer ist von der Nachfrage der Kunden abhängig. Nimmt der Markt ein Produkt nicht an oder bricht die Auftragslage durch eine schlechte Konjunktur ein, bekommt der Unternehmer dies zu spüren.

Finanzielles Risiko

Anders als der Angestellte hat der selbstständige Unternehmer kein regelmäßiges Gehalt. Er selbst muss dafür sorgen, dass Aufträge hereinkommen und der Umsatz ausreicht, um die Betriebskosten zu decken. Es müssen eigenverantwortlich Rücklagen als Risikopuffer aufgebaut werden. Hinzu kommt die Abhängigkeit von Fremdkapitalgebern wie Banken oder anderweitigen Investoren.

Bürokratie

Ganz unabhängig ist der Unternehmer dann doch nicht. Dieser ist nämlich Vater Staat in Form von Behörden, Prüfinstitutionen und nicht zuletzt dem Finanzamt Rechenschaft schuldig. Dabei ist es von der Branche Abhängig wie hoch der Anteil der Bürokratie am Gesamtarbeitsaufwand ausfällt. Während es ein Buchhändler beispielsweise mit relativ wenig Bürokratie zu tun hat, sieht dies im Fall eines Gourmetfleischhändlers durch die zahlreichen Auflagen des Lebensmittelrechts gänzlich anders aus.

Welche persönlichen Voraussetzungen sollten Unternehmer für eine selbstständige Tätigkeit mitbringen?

Da der Unternehmer im Zentrum des Unternehmens steht, sind seine persönlichen Voraussetzungen für ein gut funktionierendes Unternehmen entscheidend. Er ist es schließlich, der das Projekt mit Engagement und Selbstmotivation vorantreibt. Zu den Charaktereigenschaften kommen jedoch auch persönliche. Welches aber sind die wichtigsten persönlichen Voraussetzungen (Persönlichkeitskompetenzen) für die unternehmerische Selbstständigkeit?

Risikobereitschaft

»Rendite resultiert aus Risiko!« Dieser Spruch gilt nicht nur an der Börse, sondern ist auch für die erfolgreiche Unternehmensgründung zutreffend. Nur, wer dazu bereit ist, Risiken einzugehen und die Sicherheit des geregelten Angestelltenlebens zu verlassen, kann ein profitables Unternehmen aufbauen.

Stressresistenz

Der Unternehmer wird mit zahlreichen zeitfressenden Aufgaben, bürokratischen Hürden und plötzlich auftauchenden Entscheidungen Alle diese Dinge dürfen den Unternehmer nicht aus der Ruhe bringen. Vielmehr muss ein guter Unternehmer dazu in der Lage sein, Entscheidungen trotz Stress in aller Ruhe und Klarheit zu treffen.

Körperliche Gesundheit und Fitness

Der eigene Körper hat für den Unternehmer einen ähnlichen Stellenwert wie das Kapital auf der Bank. Unternehmer sollten sich also um ihre Gesundheit kümmern und mit Hilfe von Sport einen Ausgleich für die körperliche Leistungsfähigkeit schaffen. Nicht umsonst belegen Studien, dass körperlich fitte Menschen auch eine höhere kognitive Leistungsfähigkeit haben.

Volle Identifikation mit der Unternehmensidee

Wer sich voll mit seinem Unternehmen und den Produkten bzw. Dienstleistungen identifizieren kann, hat bessere Chancen, langfristig erfolgreich zu sein. Gute Beispiele sind hier Unternehmer wie Jeff Bezos (Amazon), Elon Musk (u.a. Tesla, SpaceX) oder Steve Jobs (ehem. Apple).

Zielstrebigkeit

Ziele sind die Gradmesser für unternehmerischen Erfolg und die gemachten Fortschritte. Zielstrebige Personen, die dazu in der Lage sind, mit Hilfe von definierten Meilensteinen diszipliniert auf ein großes Ziel hinzuarbeiten und dieses auch durch Rückschläge nicht aus den Augen zu verlieren, sind als Unternehmer klar im Vorteil.

Frusttoleranz

Es kommt vor, dass technische Lösungen nicht funktionieren, Kunden abspringen oder ein Produkt am Markt nicht ankommt. Diesem verständlichen Frust dürfen Unternehmer allerdings nicht erliegen. Eine erhöhte Frusttoleranz hilft dabei, aus diesen typischen Rückschlägen sogar Energie für die Umsetzung besserer Lösungswege zu schöpfen.

Kritikfähigkeit

Wer bei einem Anflug von Kritik gleich eingeschnappt ist, wird es als Unternehmer schwer haben. In jeder Kritik steckt ein wahrer Kern. Daher ist es lohnenswert, so objektiv und rational wie möglich an Kritik am eigenen Unternehmen heranzugehen. Ein guter Unternehmer nimmt Kritik daher nicht persönlich, sondern nutzt diese konstruktiv für Verbesserungen.

Finanzielle Disziplin

Menschen, die auch in privaten Finanzangelegenheiten diszipliniert aber nicht geizig sind, sind prädestinierte Unternehmer. Im Rahmen der unternehmerischen Selbstständigkeit geht es nämlich darum, eine Balance zwischen der Investitionstätigkeit des Unternehmens, der Finanzstabilität sowie dem persönlichen Verdienst als Geschäftsführer zu finden.

Starkes persönliches Umfeld

Private Unsicherheiten sind Gift für jeden Unternehmer, da sie zusätzliche Belastungen darstellen. Wer sich voll auf sein Unternehmen konzentrieren möchte, braucht eine Familie, einen Partner oder Freunde die dieses Vorhaben mittragen und auch in schwierigen Situationen den Rücken stärken.

Welche fachlichen Voraussetzungen sollten Unternehmer für eine selbstständige Tätigkeit mitbringen?

Neben den persönlichen Eignungskriterien spielen auch die Fachkompetenz und die Methodenkompetenz des angehenden Unternehmers eine wichtige Rolle. Während man unter Fachkompetenz die Fähigkeiten zusammenfasst, die dabei helfen, fachtypische Aufgaben selbstständig zu bewältigen, ist die Methodenkompetenz universeller Natur. Die Methodenkompetenz umfasst daher Fähigkeiten, die zum Erwerb und der Entwicklung von Fachkompetenz im Unternehmen nötig sind. Sicheres Auftreten und die Fähigkeit, neue Probleme kreativ zu lösen, sind gern herangezogene Beispiele für Methodenkompetenz.

Adäquate Berufsausbildung

Im Idealfall passt die Ausbildung des angehenden Unternehmers zum jeweiligen Vorhaben. Dabei ist es egal, ob es sich um eine klassische Berufsausbildung, eine Weiterbildung oder ein breit aufgestelltes Studium handelt. Dieser Umstand senkt die Einstiegshürden ebenso wie die Wahrscheinlichkeit dafür, etwas bei der Konzeption des Geschäftsmodells übersehen zu haben.

Bereitschaft zur Weiterbildung

Die globalisierte Wirtschaft ist ein dynamisches System, das keinen Stillstand kennt. Wer ein erfolgreiches Unternehmen führen will, muss dazu bereit sein, sich stetig fortzubilden. Diese Regel gilt unabhängig davon, ob es sich um das Erlernen neuer Softwareprodukte, den Einsatz spezifischer Produktionsprozesse oder neue Managementstrategien handelt.

Branchenkenntnis

Nur, wer die Branche kennt, in der er sich bewegt, kann den Markt und damit auch die Erfolgschancen seines Unternehmens abschätzen. Die bereits vorhandene Branchenkenntnis muss jedoch andauern überprüft und erneuert werden, um jederzeit über Entwicklungen und Tendenzen in der Branche informiert zu sein.

Sicherer Umgang mit branchenüblicher Software

Neben Softwareprodukten wie den obligatorischen Office-Suits sollte auch die branchenspezifische Spezialsoftware beherrscht werden. Dabei kann es sich um ERP-Systeme, Projektplanungs-Tools, Statistiksoftware wie SPSS oder Konstruktions-Programme aus dem CAD-Universum handeln. Gewiss muss der Unternehmer selbst kein absoluter Experte sein. Eine gesunde Kenntnis ist jedoch für das Verständnis der Prozesse im eigenen Unternehmen unbedingt nötig.

Kaufmännische und rechtliche Kenntnisse

Eine solide kaufmännische Ausbildung (wie z.B. die Weiterbildung zum Handelsfachwirt), die auch grundsätzliche Rechtsinhalte wie Vertragsangelegenheiten umfasst, ist die Basis jedes unternehmerischen Handelns. Welchen Stellenwert diese Voraussetzung hat, wird daran deutlich, dass die meisten Unternehmer und Selbstständigen an mangelhaften Kenntnissen in genau diesen Bereichen scheitern.

Führungsqualitäten

Auch wenn das Führen von Personen erlernt werden kann, zeigt sich die Anlage für Führungsqualitäten bereits früh im Leben. Wenn du bereits in deiner Jugend zu den Menschen gezählt hast, die im Freundeskreis den Urlaub organisiert oder regelmäßig die Verantwortung als Klassensprecher übernommen haben, ist dies ein guter Indikator für Führungsqualitäten. Die charakterlichen Führungsqualitäten sollten aber in jedem Fall mit einem professionellen Führungstraining untermauert werden. Die Unternehmensführung ist schließlich nicht die Planung eines Camping-Trips in die Niederlade 😉

Bereitschaft zur Aufgabendelegation

Der Unternehmer kann nicht alle Aufgaben selbst übernehmen, auch wenn er dies noch so gerne möchte. Dementsprechend gehört die Fähigkeit, in die Fach- und Sachkompetenz anderer Menschen zu vertrauen, zu den Schlüsselfähigkeiten der unternehmerischen Selbstständigkeit. Nur, wer Aufgaben delegiert, kann Skaleneffekte nutzen. Zudem schafft er sich selbst Freiräume, um das Unternehmen durch Kreativität an den entscheidenden Stellen voranzubringen.

Kreativität

Plötzlich auftretende Probleme auf kreative Weise zu lösen, ist eine der wichtigsten Fähigkeiten im Bereich der Methodenkompetenz. Diese Problemlösefähigkeit bezieht sich sowohl auf bürokratische Herausforderungen als auch auf die Entwicklung von Produkten und Prozessen, die dem Unternehmen einen Wettbewerbsvorteil verschaffen. Auch hier sind Branchenkenntnisse und eine solide Fachausbildung hilfreich.

Selbstbewusstes Auftreten

Ein Unternehmer muss selbstverständlich bei Unternehmenspräsentationen nicht derart extrovertiert auf einer Bühne herumhopsen wie Microsofts Ex-CEO Steve Ballmer, der deshalb auch den Beinamen »Monkey-Boy« trägt.  Allerdings ist der Unternehmer das Aushängeschild seiner Firma und sollte folglich dazu in der Lage sein, die Produkte und Dienstleistungen gegenüber Kunden selbstbewusst zu präsentieren.

Im Idealfall verfügt ein Unternehmer über alle genannten Eigenschaften. Wer die eine oder andere Eigenschaft verneinen muss, sollte seine unternehmerischen Pläne allerdings nicht gleich begraben. Solange nämlich die Weiterbildungsbereitschaft gegeben ist, lässt sich an nahezu allen anderen Punkten arbeiten.

All diese relevanten Inhalte für die Prüfungen zum Handelsfachwirt der IHK findet ihr in komprimierter Form auch in unserer praktischen Lernkarten-App und den klassischen Lernkarten im A6-Format.

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