Prüfungsverordnung VO 2014

Welche Neuerungen bringt die Prüfungsverordnung VO 2014 mit sich?

Viele haben es bereits mitbekommen – es laufen derzeit zwei (2) verschiedene Prüfungsverordnungen für den geprüften Handelsfachwirt der IHK parallel. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) hat die Weiterbildung zum geprüften Handelsfachwirt im Zuge der sich wandelnden beruflichen Anforderung grundlegend überarbeitet und am 13. Mai 2014 eine neue Prüfungsverordnung verabschiedet. Seitdem haben die Kursteilnehmer der verschiedenen Bildungsträger mitunter die Möglichkeit selbst zu entscheiden nach welcher Verordnung sie geprüft werden wollen. Ab Herbst 2017 werden dann die Erst-Prüfungen ausschließlich nach neuer Verordnung VO 2014 durchgeführt. Für mündliche und schriftliche Wiederholungsprüfungen gibt’s es bis zu den Frühjahrprüfungen 2018 eine Übergangsfrist bei der parallel auch nach alter Verordnung VO 2006 geprüft wird.

Soll ich die Prüfungen nach alter oder neuer Prüfungsverordnung schreiben?

Jeder der sich mit dieser Frage schon einmal beschäftigt hat und einen Blick auf die neue Struktur der Prüfungsfächer geworfen hat, dem fällt direkt auf, dass es einige Prüfungsfächer nicht mehr gibt. Das Prüfungsfach Volkswirtschaftslehre wurde demnach offensichtlich komplett gestrichen. Auch die Prüfungsfächer Handelsmarketing und Vertrieb sowieso das beliebte Wahlfach Mitarbeiterführung & Qualifizierung scheint es nicht mehr zu geben. Aber halt, ist dem wirklich so?

Prüfungsfächer VO 2014

Ein Blick in den neuen Rahmenlehrplan der IHK nach VO 2014 macht schnell klar, dass sich so viel eigentlich nicht ändert. Jedenfalls nicht inhaltlich. Ok, fangen wir mal mit Volkswirtschaftslehre an. Die ohnehin überschaubaren Inhalte dieses Prüfungsfaches wurden nun in das Prüfungsfach Handelsmarketing integriert. Zu mehr als 90% finden sich alle Inhalte in den folgenden Punkten des Rahmenlehrplans wieder:

3.3.5 Auswirkungen von Markt- und Preismechanismen
(Inhalt: u. a. Angebots- & Nachfrageverhalten, Funktionen der Preisbildung, Preiselastizitäten, staatliche Eingriffe in die Preisbildung etc.)
3.10.1 Auswirkungen unterschiedlicher Wettbewerbssituationen
(Inhalt: u. a. Marktformen wie z.B. Oligopol, Polypol, Monopol)
3.10.2 Unternehmensplanung entsprechend der Konjunkturzyklen
(Inhalt: u. a. BIP; Konjunkturphasen, -indikatoren und -programme)
3.10.3 Auswirkungen der Globalisierung
(Inhalte: u. a. Wechselkurse, Handelshemmnisse etc.)
3.10.4 Auswirkung der Europäischen Union
(Inhalte: u. a. Richtlinien, Verordnungen und Freizügigkeiten etc.)

Wer also  mit dem Gedanken gespielt hat eventuell nach neuer Prüfungsverordnung zu schreiben, weil das Fach Volkswirtschaftslehre dort wegfällt und man nur 5 Prüfungen statt bisher 6 schreiben muss, dem muss ich diesen Zahn direkt ziehen. Denn wie man sieht finden sich die Inhalte des Prüfungsfaches VWL fast komplett im Fach Handelsmarketing wieder. Und es wird noch schlimmer. Das Wahlfach Mitarbeiterführung und Qualifizierung wurde nicht einfach gestrichen, sondern auch hier wurden die Inhalte in das „neue“ Prüfungsfach Führung, Personalmanagement, Kommunikation und Kooperation integriert. Der gesamte Prüfungsstoff aus dem ehemaligen Wahlfach findet sich nun unter folgenden Punkten des neuen Rahmenlehrplans nach VO 2014 wieder:

2.2 Zeit- und Selbstmanagement
(Inhalte: u. a. Zeit- und Selbstmanagement, Zeitdiebe / Zeitfresser, Instrumente des Zeitmanagements)
2.3 Konzepte des Personalmarketing, Personalauswahl und -einstellung
(Inhalte: u. a. Beschaffungsinstrumente, Bewerbungsunterlagen, Testverfahren, Vorstellungsgespräche etc.)
2.4 Planen und Durchführen der Berufsausbildung
(Inhalte: u. a. Ausbildungsberufe, Eignung des Betriebes, Organisation der Ausbildung, Ausbildungspläne etc.)
2.7. Planen und Organisieren von Qualifizierungsmaßnahmen
(Inhalte: u. a. Qualifizierungsbedarf ermitteln & Maßnahmen steuern, Lernmethoden, -typen, -bereiche und -ziele etc.)
2.8 Auswerten von Personalkennziffern
(Inhalte: u. a. Balanced Scorecard, Maßnahmen zur Steigerung der Personalleistung / Senkung der Personalkosten etc.)
2.10 Mitarbeiterförderung und -entwicklung
(Inhalte: u. a. Potenzialanalyse, Coaching, Mentoring Laufbahnplanung, Methoden zur Mitarbeiterförderung, Mitarbeitergespräche etc.)

Fassen wir mal kurz zusammen. Der Prüfungsstoff der ehemaligen Prüfungsfächer Mitarbeiterführung & Qualifizierung sowie Volkswirtschaftslehre wurden mit der neuen Prüfungsverordnung VO 2014 in die Pflichtfächer integriert. Zudem muss weiterhin eines der folgenden Wahlpflichtfächer ausgewählt werden: Vertriebssteuerung, Handelslogistik, Einkauf oder Außenhandel. Das heißt, im Vergleich zur alten Prüfungsverordnung muss man nun Prüfungsstoff von sieben (7) statt sechs (6) Fächern pauken :-O ! Positiver Nebeneffekt ist einzig und allein, dass Absolventen die im Anschluss die Ausbildereignungsprüfung anstreben nur noch mündlich geprüft werden müssen.

Nach neuer Prüfungsverordnung VO 2014 wird sehr viel mehr Prüfungsstoff abverlangt als nach alter Verordnung  VO 2006.

Damit sollte die Frage, nach welcher Verordnung man schreiben sollte wenn man die Wahl hat, eigentlich geklärt sein. Es gibt auch keinen Unterscheid bei der Anerkennung des Abschlusses nach neuer oder alter Verordnung. Danach fragt kein Mensch – es ist und bleibt der geprüfte Handelsfachwirt IHK. Zudem sind alle Kursanbieter mit deren Inhalten auf die alte Prüfungsverordnung eingeschossen und haben noch keine Erfahrungswerte in Bezug auf die Prüfungen nach neuer Verordnung. Für jeden der die Wahl hat ist meine klare Empfehlung daher möglichst nach alter Verordnung zu schreiben!

Um die neue Struktur der Prüfungsfächer mal eben abzuschließen. Das ehemalige Wahlfach Handelsmarketing und Vertrieb wurde umbenannt in Vertriebssteuerung und neu dazugekommen ist das Wahlfach Einkauf. Im Fach Handelsmarketing ist der Punkt E-Commerce nach neuer VO 2014 sehr viel stärker gewichtet als bisher aber im Großen und Ganzen ändert sich inhaltlich nicht wirklich viel.

Die Änderungen der neuen Prüfungsverordnung VO 2014 beziehen sich mehr auf die Durchführungen der Prüfungen selbst.

Während bisher jedes Prüfungsfach einzeln geprüft wurde, werden nach neuer Prüfungsverordnung mehrere Prüfungsfächer an einem Tag in eine situationsbezogene Aufgabe eingebunden. Das macht es noch wichtiger all die Zusammenhänge der einzelnen Handlungsbereiche zu verstehen und genau das ist auch das Ziel des Ganzen. Das heißt, am ersten Prüfungstag werden Unternehmensführung und –steuerung zusammen mit Führung, Personalmanagement, – Kommunikation und Kooperation anhand einer großen Sachaufgabe. Genauso verhält es sich am zweiten Prüfungstag mit den Fächern Handelsmarketing und Beschaffung & Logistik. Das jeweilige Wahlfach wird anschließend einzeln geprüft.

Welche Änderungen gibt es in Bezug auf die mündliche Prüfung nach neuer Prüfungsverordnung VO 2014?

Die Voraussetzung zur Teilnahme an die mündlichen Prüfungen wurde etwas gelockert bzw. verändert. Nach bisheriger VO 2006 war es notwendig alle schriftlichen Prüfungen bestanden zu haben bevor man zur mündlichen Prüfungen zugelassen wurde. Die neue Prüfungsordnung VO2014 gefällt mir in der Hinsicht schon etwas besser. Hier heißt es im §3 Absatz 7, dass nach Ablegen der schriftlichen Teilprüfungen innerhalb eines Jahres die mündliche Teilprüfung durchgeführt wird. Fertig. Nach neuer VO2014 reicht es also scheinbar aus, wenn ihr die schriftlichen Teilprüfungen lediglich abgelegt, also daran teilgenommen habt. Das finde ich insofern besser geregelt, als das ihr euch, unabhängig von den Prüfungsergebnissen, direkt auf die mündliche Prüfung konzentrieren könnt ohne befürchten zu müssen, dass ihre diese vorerst gar nicht vortragen dürft.

Weiterhin hat sich die Zeitvorgabe für die Länge der Präsentation geändert. Nach alter Prüfungsverordnung VO2006, soll die Präsentationszeit 10 Minuten nicht überschreiten, während es in der neuen Prüfungsverordnung VO2014 heißt, dass die Dauer der Präsentation 15 Minuten betragen soll.

Das Thema der mündlichen Prüfung musste bisher spätestens am ersten Tag der schriftlichen Prüfungen eingereicht werden. Nach neuer VO 2014 habt ihr dafür jetzt bis zum zweiten Tag der schriftlichen Prüfungen Zeit.

Auch bei der Wahl der Handlungsbereiche für die mündliche Prüfung hat sich einiges geändert. Während nach alter VO 2006 quasi alle Kombinationen von Handlungsbereichen mit der Themenreichung möglich waren, muss sich die Themenstellung nach neuer VO 2014 auf jeweils einen Handlungsbereich der beiden schriftlichen Teilprüfungen beziehen. Im Gegensatz zur alten Prüfungsverordnung reduziert sich damit die Anzahl möglicher Kombination von Handlungsbereichen von fünfzehn (15) auf sechs (6).

Ich hoffe, ich konnte euch hiermit den Unterschied der neuen und alten Prüfungsverordnung für Handelsfachwirt der IHK etwas näher bringen. Falls ich noch was vergessen habe oder noch Fragen offen sind dann schreibt es mir in die Kommentare.

Besten Dank und viele Grüße!

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